Tag Archives: state capacity

Cyclical Policies and the Evolution of Long-Term State Capacity

Jahrbuch

This is a paper which links two related problems of policy making: problems of cycles (e.g. the adoption and abortion of a policy in a short run) and the more continuous problem of chronically weak state capacity. I argue that both are two different sides of the same coin. I use a highly stylized model, when and why political factions cannot agree on a common middle ground and then introduce ideologically opposed policies which will soon be reverted. I use a couple of historical episodes from Latin America, especially in terms of privatization vs. nationalization cycles, to illustrate the problem.

Here is the manuscript of the paper. Here is the link to the publisher.

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Buchrezension – Book Review

Kurtz, Marcus. Latin American State Building in Comparative Perspective.
Social Foundations of Institutional Order. Cambridge. Cambridge University
Press 2013.
Latin American State Building in Comparative Perspective ist eine Kritik an gängigen Theorien der Evolution von Staatskapazität. Warum unterscheiden sich Länder in ihrer Kapazität, staatliche Aufgaben wie Erziehung oder Katastrophenschutz wahrzunehmen? Die wissenschaftliche Literatur konzentrierte sich bislang vor allem auf zwei Faktoren: Kriege und Ressourcen. Am Beispiel der unterschiedlichen Entwicklungen von vier lateinamerikanischen Ländern zeigt Marcus Kurtz, dass andere Faktoren eine ebenso wichtige, wenn nicht bedeutendere Rolle spielen. Die Rolle von Kriegen kann viele der unterschiedlichen Entwicklungen lateinamerikanischer Länder nicht erklären. Für Kurtz ist diese Idee vor allem im europäischen Kontext geboren und anwendbar. Ebenso wenig können Unterschiede in der ursprünglichen Ressourcenausstattung erklären, warum etwa Chile ein funktionstüchtigeres Staatsgebilde als Argentinien aufweist. Vielmehr spielen nach Kurtz zwei andere Faktoren eine entscheidende Rolle: die Mobilität von Arbeitern im 19. Jahrhundert sowie die Frage, wann das Wahlrecht auf ärmere Einkommensschichten ausgeweitet wurde.

Der erste Faktor, die Mobilität von Arbeitern, hilft zu klären, unter welchen Umständen lokale Eliten ein Interesse daran hatten, die Zentralisierung der Staatsgewalt zu blockieren. Dort, wo Mobilität nicht möglich oder gegeben war, verfügten lokale Eliten über größere Möglichkeiten, sich einer Zentralisierung der Staatsgewalt entgegenzustemmen. Der zweite Faktor, die Ausweitung des Wahlrechts, entschied darüber, wie schnell die Ansprüche an die Staatsgewalt wuchsen. Dies ist besonders im Verhältnis zum Entwicklungsstand der Handlungsmöglichkeiten eines Zentralstaates zu sehen. In Ländern, in denen die Ausweitung des Wahlrechts relativ früh erfolgte, schossen populistische Forderungen aus dem Boden und führten zu einer Überlastung des Staatsapparates. Daraus ergaben sich die für Lateinamerika typischen Zyklen aus explosiven Umverteilungs-erwartungen und konservativer Gegenreaktion.

Um diese Thesen zu belegen, entwickelt Kurtz über mehrere historische Etappen einen paarweisen Vergleich
von Peru und Chile auf der einen, und von Argentinien und Uruguay auf der anderen Seite. Der Vergleich zwischen Peru und Chile zeigt im Wesentlichen die unterschiedlichen Startvoraussetzungen, welche eine effektive Zentralisierung der Staatsgewalt in Peru bereits früh blockierten. In Peru behaupteten sich lokale Eliten und verteidigten das Gewaltmonopol über ihre Arbeiter gegenüber der Zentralregierung. Der Vergleich zwischen Argentinien und Uruguay zeigt, wie sich ein „zu“ frühes Ausweiten des Wahlrechts auswirkte. Während in Argentinien, gerade auch wegen der starken Einwanderung aus Europa, die Mehrheit der Bevölkerung bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts wählen durfte, war dies in Uruguay erst rund 50 Jahre später der Fall. So wurde schon vor Kurtz die Frühphase des Wohlfahrtsstaats in Uruguay als ein Wohlfahrtsstaat ohne Arbeitnehmer beziehungsweise „von oben“ bezeichnet. Im Vergleich dazu war der (Wohlfahrts-)Staatsaufbau in Argentinien wesentlich chaotischer und von Rückschlägen gekennzeichnet.

Im letzten Kapitel sucht Kurtz nach Möglichkeiten, das Argument auf andere Fälle, etwa Deutschland im 19.
Jahrhundert, anzuwenden. Er weist darauf hin, dass es vermutlich weniger die Kriege Preußens unmittelbar als die preußischen Reformen und vor allem die Freizügigkeit von (Land-)Arbeitern waren, die den Staatsaufbau wirklich voranbrachten.

Das Buch besticht durch eine Fülle an Details und das Zusammenziehen unterschiedlichster Literaturen. Das Forschungsdesign ist interessant, denn die Vergleiche ziehen sich über mehr als 100 Jahre. Es leistet einen wertvollen Beitrag für das Verständnis von Staatskapazität und seiner historischen Wurzeln. Insbesondere vermeidet es die Engführung dieser Diskussion auf Kriege und Ressourcen. Etwas inkonsequent ist die Diskussion um die Messung und Konzeptualisierung von Staatskapazität. Der Autor schlägt sich auf die Seite derjenigen, die quality of government vor allem über die Stärke der öffentlichen Verwaltung definieren. Das scheint konsequent, erfreulich klar und unideologisch; es folgt keiner Prädisposition für eine bestimmte Art der Staatlichkeit beispielsweise im Bereich der Wirtschaftspolitik. Jedoch fällt der Autor bei der Messung dann wieder auf bereits existierende Variablen zurück, vor allem die Steuereinnahmen und -ausgaben. Es wäre interessanter gewesen, mehr Information über andere Bereiche staatlicher Organisationen zusammen
zu ziehen, zum Beispiel, über die Zahl und das Qualifikationsniveau staatlicher Angestellter. Auch ist nicht immer klar, was die letzten Ursachen der beiden Hauptfaktoren sind. Beispielsweise spielen die Art
der Landwirtschaft und des Kolonialismus vermutlich eine wichtige Rolle, um zu klären, wie repressiv das Arbeitsregime war. Stimmt diese These, dann sind Chile und Peru in Wirklichkeit nicht so ähnlich in ihren Ausgangsvoraussetzungen wie der Autor behauptet. Da alle vier Länder auch unterschiedlich an Kriegen beteiligt waren, ist auch nicht ganz klar, wie solche confounding factors effektiv kontrolliert werden können.
Dennoch ist das Buch ein interessanter Beitrag zur Diskussion und keineswegs nur für lateinamerikainteressierte zu empfehlen.

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